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Der Mercado Modelo - der Kunsthandwerksmarkt von Salvador, Bahia - ist den meisten Brasilianern von Postkarten oder aus Fernsehberichten bekannt. Bis 1912 existierten in der Unterstadt von Salvador mehrere große Märkte, wie der Mercado de Santa Barbara (an der heutigen Praça da Inglaterra in der Nähe des Plano Inclinado Gonçalves), der Mercado de São João (nahe der heutigen Rua Portugal), oder der Mercado do Cais Dourada, allesamt Umschlagsplätze für die vielen Waren aus dem Hinterland der weiten Allerheiligen Bucht von Salvador.
Grossflächige Landgewinnungen in der Unterstadt und eine Modernisierung der Hafenanlagen führten zu Planung und Bau eines zentralen Großmarktes, zwischen dem Zollhaus und der Marina. An seiner Stelle befndet sich heute die berühmte Skulptur des bahianischen Bildhauers Mario Cravo. Das 1912 eingeweihte und 40x60 Meter messende Gebäude - eine der ersten Stahlkonstruktionen Salvadors überhaupt - verfügte über eine spezielle Verschachtelung für natürliche Beleuchtung und Belüftung und Anlegestellen für Boote. Der Mercado Modelo entwickelte sich schnell zum bedeutendsten Großmarkt der Stadt. Einem bahianischen Sprichwort zufolge verliess man den Mercado Modelo nicht nur bestens versorgt mit Lebensmitteln und Haushaltswaren aller Art, sondern auch sattgegessen, frisch rasiert, komplett neu eingekleidet und mit neuen Bekanntschaften.
So übernahm der Markt auch einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes der alten Märkte der Cidade Baixa und wurde zu einem Symbol bahianischer Lebensart. Seine Anlegestelle, bekannt als "Rampa do Mercado", ist bis heute ein geographischer Referenzpunkt der Unterstadt von Salvador. Sie wird in unzähligen Capoeira Liedern und Sambas besungen und findet in mehreren Werken des bahianischen Schriftstellers Jorge Amado ausführlich Erwähnung. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Markthalle mehrfach von Großbränden heimgesucht. Der letzte, im Jahre 1969, richtete irreparable Schäden an und führte zum Abriss des Gebäudes. 1971 bezog der Markt seinen aktuellen Standort in der 200 Meter entfernten "Terceira Alfândega de Salvador", dem historischen Zollhaus der Unterstadt, und spezialisierte sich auf Kunsthandwerk und Folkloreartikel.
Das Zollhaus, die "Terceira Alfândega de Salvador", aktueller Standort des Mercado Modelo, ein zweistöckiger klassizistischer Rundbau aus der Mitte des 19. Jahrunderts, erfüllte seinen urpünglichen Zweck bis zum Umzug der Zollbehörde zum Mercado de Ouro im Jahre 1958. Danach stand das Gebaüde über Jahre leer, bis es Mitte der 1960er Jahre von der Kulturbehörde IPHAN unter Denkmalschutz gestellt und nach dem Abriss der Markthalle als neuer Standort des Mercado Modelo vorgeschlagen wurde. Nach einem Brand im Jahre 1984 wurde das Gebäude komplett restauriert. Bei den Renovierungsarbeiten wurden alte Kellergewölbe wiederentdeckt, die - bedingt durch die Geschichte der Landgewinnungen in der Unterstadt - unter dem Meerespiegel liegen und teilweise überflutet sind. Die Gewölbe, Gegenstand unzähliger lokaler Legenden und Mythen, sind seit der Renovierung zur Besichtigung freigegeben.
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